Wednesday, 1 June 2016

Jetzt ist es so weit...

Mein Gott, ist das Zeug scheußlich!

Morgen wird die Untersuchung gemacht und heute muss ich schon das erste Abführmittel trinken. Ein Liter angemischte Flüssigkeit, mit leicht süßlichem Geschmack. Aber es schmeckt einfach widerlich!

Und schon geht mein Grummeln im Magen los...

Monday, 30 May 2016

Wichtige Entscheidung

Morgen ist ein wichtiger Tag für mich.

In drei Monaten läuft mein Arbeitsvertrag aus. Wenn ich bis zum 31.05. keine positive Rückmeldung bekomme, muss ich bei der Agentur für Arbeit vorsprechen und mich wieder als arbeitssuchend melden.

Ich hoffe, dass ich das nicht muss. Beim Gedanke noch einmal auf Jobsuche zu müssen wird mir schlecht. Ich möchte im Studentenwerk bleiben. Ich habe eine nette Chefin, nette Kollegen und eine recht einfache Arbeit - damit bin ich zufrieden. Ich möchte nicht wieder von vorne anfangen.

Meine Chefin hat gesagt, dass es von ihr aus, klar ist, dass ich übernommen werde. Aber es ist nicht sie die Entscheidung fällt, ob mein Vertrag verlängert wird, sondern der oberste Chef des Studentenwerks. Denn obwohl ich in ihrer Abteilung sitze und auch für sie arbeite, bin ich nicht ihre Angestellte, sondern ihr Chef ist auch mein Chef. Sie ist die Leiterin der Bafög-Abteilung, aber ich bin, mit dem Servicepoint, im Bereich "Empfang" tätig. Und ob diese Stelle auch aufrecht erhalten bleibt, entscheidet der Chef. Aber theoretisch kann diese Stelle, also der Servicepoint, nicht abgeschafft werden. Schließlich ist es wirklich eine ganz gute Anlaufstelle für die Studenten und den Umgang mit Studenten krieg ich ganz gut hin.

Und auf der menschlichen Seite sind wir auch einfach auf der gleichen Welle. Ich habe Literatur und Kunst studiert - sie liest sehr gerne und interessiert sich auch für Kunst. Ich kenne die Stadt, in der sie studiert hat und wir mögen sie beide. Wir haben beide Kinder, unterhalten uns über die gleichen Sorgen und Freuden. Wir mögen beide Italien und fahren dieses Jahr zufälligerweise beide in die Toskana. Allerdings an unterschiedliche Orte und zeitversetzt. Und wir kaufen beide gerne Schuhe. Das passt ziemlich gut zusammen.

Deshalb bin ich recht zuversichtlich, dass sie mich übernehmen. Und sie hat gesagt, wenn sie den Vertrag verlängern, dann ist es ein unbefristeter Vertrag. 

Das wäre perfekt! 

Aber sie trifft die Entscheidung nicht...

Sunday, 29 May 2016

Das Gespräch über die Lage kurz vorm Tod

Am Donnerstag war ich beim Aufklärungsgespräch für die Darmspiegelung nächste Woche. Es waren nur ca. 20 Minuten, aber ich hatte das Gefühl, es hätte mehr als eine Stunde gedauert.

Solche Gespräche nehmen mich immer ganz schön mit. Schon vor dem persönlichen Gespräch muss man Fragebögen ausfüllen, in denen man alle Einzelheiten von Krankheiten, Entzündungen, Operationen, Allergien... auslisten muss, die teilweise gar nichts mit dieser Krankheit zu tun haben. Trotzdem muss man alles angeben. 

Da wird alles wieder aufgekocht, was ich so mühsam versuche zu verdrängen. Die Hirn-OP, zwei Kaiserschnitte, Gebärmutter-OP, Nierenentzündung, jetzt auch noch der Blinddarm. Dann ist alles wieder da, die Angst vor einem erneuten Anfall, die Ungewissheit der Flecken im Gehirn, der vergrößerten Niere, der nicht ganz dichten Herzklappe, der epiretinalen Gliose, des komischen Zipfels im linken Auge. Und jetzt auch noch der Verdacht auf eine chronische Entzündung im Dickdarm.

Außerdem werden auch noch alle Risiken, Nebenwirkungen, Gefahren und Komplikationen aufgetischt, die bei dieser Untersuchung passieren könnten. Übelkeit, Schluckbeschwerden, Heiserkeit. Und auch noch Infektionen, Blutvergiftung, Nervenschäden, Krampfanfälle, Stoffwechselentgleisungen, Atemnot... 

Das fühlt sich nicht an wie ein ambulante Routine-Untersuchung, die zwar etwas unangenehm ist, die man aber locker hinter sich bringen kann. Nein, da fühlt man sich wie kurz vorm Tod.

Ich musste mich so beherrschen nicht zu weinen, dass ich gar nicht gefragt habe, was denn gemacht wird, wenn tatsächlich festgestellt wird, dass der Darm entzündet ist.

Ehrlich gesagt, will ich es auch jetzt gar nicht wissen.

Wednesday, 25 May 2016

Anfängerfehler!

Wie kann man denn so dämlich sein? Nach so vielen Jahren Computer-Anwendung und fünf Jahren bloggen den Laptop ausmachen und vergessen zu speichern?

Dabei versuche ich schon seit über zwei Wochen den zweiten Teil von der wilden Geschichte der Nervensägen endlich fertig zu schreiben. Gestern habe ich - trotz meiner Erkältung - bis halb zwölf am Rechner gesessen und geschrieben. Und ich war so zufrieden mit meiner fast fertigen Version. Heute morgen mache ich meinen Rechner wieder an und merke, dass die neue Version nicht mehr da ist.

Wie konnte das passieren? Den Computer einfach ausmachen ohne noch einmal zu speichern? Florian hat versucht mir irgendetwas zu retten, aber die Version von gestern ist nicht mehr zu finden. Ich habe wohl den ganzen Abend nicht einmal gespeichert! 

Ich bin stinksauer auf mich! 

Und frustriert. Ich weiß wirklich nicht, ob ich das tatsächlich nochmal schreiben kann. Schließlich ist eine Geschichte über Epilepsie kindgerecht zu schreiben wirklich nicht einfach!

Saturday, 7 May 2016

"Drück mich" und meine Füße

In der Schule ist im Moment ein ganz besonderes Spiel beliebt. Das "Drück-mich". Ein bisschen erinnert es mich an ein Spiel, das ich in der Schulzeit auch gespielt habe. Es ist ein viermal gefaltetes Blatt, auf dem bestimmte Namen und Aktivitäten draufstehen. Und es funktioniert so: 

1. Auf ersten Seite ist ein Herz, Kreis oder Viereck. Das ist die Stelle, die man drücken muss, damit das Spiel losgeht:

2. Einmal auffalten: 
Auf dieser Seite stehen dann zwei Kategorien: 1. Mädchen oder 2. Jungs (oder andersrum)

Dann wird man gefragt: 1. oder 2.? 
Beim ersten mal weiß man natürlich nicht, welche Zahl Mädchen und welche Zahl Jungs ist. Also der erste Spannungspunkt!

2. Dann wird weiter aufgefaltet. 
Dort gibt es dann zwei 10-er Listen:

1. Mädchen und  2. Jungs (oder andersrum)

Da muss man eine Zahl zwischen 1 und 10 wählen.

Wenn man sich also beim ersten Schritt für 1. entschieden hat (also Mädchen) und man dann beim zweiten Schritt die Nr. 7 wählt, wird einem dann der Name genannt, der auf der Mädchen-Liste die Nr. 7 ist. 
Das ist schon ziemlich heikel. Wer ist es? Die beste Freundin oder die Zicke???

3. Dann wird noch einmal aufgefaltet: die 10 Tätigkeiten

Das ist dann besonders spannend: da kann man nämlich die wildesten Dinge abkriegen:

1. verabreden, 2. Sex, 3. verlieben, 4. küssen, 5. Date, 6. ins Kino gehen, 7. streiten, 8. Eis essen, 9. heiraten, 10. Kinder kriegen

Als wir es dann gefühlte 1.000 mal gespielt hatten, habe ich mir dann auch selbst ein "Drück-mich-Spiel" ausgedacht:

1 Seite:
1. Kinder
2. Erwachsene

2. Seite: Personen:

1. Kinder
1.- 4. Theas Freundinnen
5.- 8. Noah Freunde,
9. eine Zicke aus Theas Klasse
10. ein Raufbold aus Noahs Klasse

2. Erwachsene
1. Mama 
2. Papa 
3. Oma 
4. Opa
5. Lehrerin Noah
6. Lehrerin Thea
7. freundliche Nachbarin
8. unfreundlicher Nachbar
9. Mutter von besten Freund Noah
10. Vater von bester Freundin Thea


3. Tätigkeiten

Da fiel mir so viel ein, dass ich mich bei 21 Punkten zusammen reißen musste, um endlich aufzuhören! 

1. Aufräumen 
2. einkaufen
3. Tisch decken
4. Spülmaschine einräumen
5. Wäsche waschen
6. Müll weg bringen
7. Kochen
8. Saugen
9. Staub wischen
10.Frühstücksbrote schmieren
11. Bügeln
12. Auto putzen
13. Tisch abräumen
14. Frühjahrsputz
15. Auto putzen
16. Spülmaschine einräumen 
17. Fenster putzen 
18. Boden wischen
19. Klo putzen
20. Spülmaschine ausräumen
21. Gartenarbeit
...

Doch das war viel zu viel! Man darf nur 10 Tätigkeiten. Nach längerer Diskussion einigten wir uns auf 14 und 7 Punkte zu streichen viel mir schon ganz schön schwer. Schlussendlich ich entschied mich diese Liste:

1. Aufräumen 
2. einkaufen
3. Tisch decken
4. Spülmaschine ausräumen 
5. Müll weg bringen
6. Wäsche waschen 
7. Staubsaugen
8. Staub wischen 
10.  Frühstücksbrote schmieren
11. Auto putzen 
12. Fenster putzen
13. Klo putzen
14. Kochen 

Zum Schluss kam mir doch die Befürchtung, dass es ihnen nur mit dieser Hausfrauen-Arbeit ein bisschen langweilig werden könnte. Also lies ich mich dann doch noch erweichen und ersetzte sieben Haushalts-Tätigkeiten durch sieben positiven Aktivitäten.

1. Wäsche waschen
2. schwimmen gehen
3. Tisch decken
4. Eis essen
5. Müll weg bringen
6. kochen
7. Staubsaugen
8. Fahrradtour machen
9. faulenzen
10. ins Kino gehen
11. in den Urlaub fahren
12. Fenster putzen
13. Klo putzen
14. Füße küssen


Dann war ich zu tiefst zufrieden. 
Doch gespielt haben wir höchstens 10 Minuten. Noah fand schon beim ersten Spiel seinen Kumpel Ben und als er nach Staubsaugen, Müll wegbringen und Fenster putzen, die Nummer 11. entdeckte, fuhr er noch einmal mit seinem Kumpel in den Urlaub.

Thea erwischte beim ersten Mal, die Nummer 4. der Tätigkeiten und wollte dann mit allen 10 Kindern Eis essen gehen. Danach war sie satt.

Dann hatten sie keine Lust mehr. Die Erwachsenen wurden gar nicht gewählt, denn Thea hatte zufällig beim ersten Versuch schon die Kategorie Kinder gefunden und bei den Tätigkeiten hatten sie wohl Angst, dass ich es bei diesem Spiel, doch ernst nehmen würde, dass sie Klo putzen, Tischdecken und Wäsche waschen müssen. Das wäre natürlich nicht so gewesen. Schließlich ist es ein Spiel...

Schade, dass sie die Nr. 14 nicht gewählt haben. Füße küssen fand ich besonders witzig.
Und auf diese Tätigkeit hätte ich wirklich bestanden! 

Thursday, 28 April 2016

Die wilde Geschichte der Nervensägen (Teil 1)

Nachdem ich im Krankenhaus war, habe ich ein paar mal mit Thea und Noah darüber gesprochen, was mit mir los war. Dass ich am Blinddarm operiert wurde, dass ich jetzt Schmerzen habe und krank geschrieben bin, dass ich mein Essen schonen muss und eine Weile nicht Fahrrad fahren darf. 

Und einmal kamen wir aber auch auf meine besondere Krankheit. Zwar wissen sie, dass ich Epilepsie habe, sie wissen, dass ich am Kopf operiert wurde, aber was für eine Krankheit das ist, wussten sie bisher nicht. Doch vorgestern hatten wir ein langes Gespräch.

Noah: Was ist Epilepsie eigentlich?

Ich: Epilepsie ist eine Krankheit, bei der die Nerven nicht richtig funktionieren und dann funktioniert der Körper nicht und der Mensch verliert das Bewusstsein. 

Thea: Was sind denn diese Nerven?

Ich: Naja, wisst ihr, der Körper hat nicht nur Knochen, Fleisch und Muskeln, sondern er hat auch ganz viele Nerven. Man sieht sie nicht und kann sie nicht anfassen. Aber sie sind sehr wichtig für uns Menschen, sie laufen durch den Körper, damit es einen reibungslosen Ablauf gibt und man sich normal bewegen, denken und fühlen kann.

Thea: Und wie machen sie das?

Ich: Das ist ziemlich schwierig zu erklären. Stellt euch mal vor, da sind lauter kleine Nervensägen, die rennen die ganze Zeit, durch den ganzen Körper, ganz schnell, schön hintereinander, eine nach der anderen. Jede Nervensäge hat ihre Aufgaben, die eine guckt, dass man sich richtig bewegen kann, eine kontrolliert die Gedanken, eine andere kümmert sich um Gefühle der Menschen. Und das Gehirn ist das wichtigste dabei, es ist die Zentrale des Körpers, sozusagen die Hauptstadt der Nervensägen. Dort sitzt der Chef (der Hypothalamus), der koordiniert und steuert die Funktion des Körpers, also er überprüft, ob diese kleinen Nervensägen ihre Arbeit auch wirklich immer anständig erledigen. Damit die Menschen sich richtig bewegen können und ein ganz normales Bewusstsein haben.

Noah: Und was hat das mit deiner Krankheit zu tun?

Ich: Tja, bei manchen Menschen ist es so, dass das Gehirn nicht ganz normal geformt ist, dass es da einen kleinen Fehler gibt, eine Anomalie. Also zum Bespiel, wenn da in irgendwo in der Hauptstadt eine kleine Unebenheit auf dem Boden ist, ein Riss oder ein kleiner Huckel auf einer wichtigen Straße. Dann kann es sein, dass an dieser Stelle ab und zu ein Unfall passiert. 

Thea: Was denn für ein Unfall?

Zum Beispiel: ein kleine Nervensäge stolpert einfach über diesen Huckel. Und da sie so dicht hintereinander laufen, rennt die nächste einfach auf sie drauf und die dritte und vierte... . Es sammeln sich ein Haufen verwirrter Nervensägen, es entsteht ein heilloses Durcheinander und es geht nicht weiter. Dann entsteht beim Chef eine ziemlich lange Pause und er kann keiner Nervensäge mehr befehlen, wie die Teile des Körpers bewegt werden sollen oder wie man denken soll. Also wird der reibungslose Ablauf der Nerven gestört und der Körper gerät außer Kontrolle. Der Mensch bewegt sich ganz anders als gewohnt und er verliert das Bewusstsein. Das nennt man dann einen Anfall.

Thea: Und was passiert bei so einem Anfall?

Ich: Es gibt ganz unterschiedliche Anfälle, denn die kleinen Nervensägen bewegen sich ja nicht alle gleich. Aber es gibt vor allem große und kleine Anfälle. Je doller die Nervensäge gestolpert ist, desto länger braucht sie, sich wieder aufzurappeln, desto mehr Nervensägen rennen auf sie zu, desto größer wird das Durcheinander und desto länger dauert es, bis sie sich alle wieder beruhigt haben und der Stau sich auflöst. Aber desto länger muss auch der Chef auf die kleinen Nervensägen warten und desto größer wird der Anfall des Menschen.

Den nennt man dann "Grand Mal", großer Anfall. Und das ist sehr gefährlich, da kann man sich ziemlich stark verletzten. Denn manche Menschen fallen dann sofort hin, einfach so, stoßen sich vielleicht irgendwo an, verletzten sich, zappeln rum, machen komische Geräusche, beißen sich auf die Zunge und manche machen auch einfach in die Hose.

Noah: Echt? Hast du dir mal in die Hosen gemacht?
Ich: Nein, aber ich hatte auch nur einmal einen großen Anfall. 
Thea: Ich weiß, da musste ich nach oben ins Schlafzimmer...
Noah: Ja, und ich habe dich auf dem Boden liegen sehen.
Ich: Ja, da bin ich gefallen. Aber ich habe mir nicht weh getan. Tante Greta hat mich aufgefangen. Und sowas hatte ich wirklich nur einmal.
Thea: Was hattest du denn sonst für Anfälle?

Ich: Ich hatte kleine Anfälle und sie waren gar nicht so schlimm. Sie waren nur kurz, mal eine halbe Minute, mal vielleicht zwei. Ich habe gemerkt, dass irgendetwas nicht stimmt. Dass mein Körper sich komisch anfühlt und meine Gedanken irgendwie anders sind.

Es hat immer mit so einem Grummeln im Magen angefangen. Es ist dann durch den Körper noch oben gewandert, hat sich wie ein Kribbeln in meine Arme ausgebreitet und ist dann in meinem Kopf angekommen. Ich habe dann einfach aufgehört etwas zu tun, bin stehen geblieben oder habe nichts mehr gesagt. Ich habe versucht mich gegen dieses komische Gefühl zu wehren. Manchmal habe ich das, was ich auswendig kann in Gedanken aufgesagt: Habe nun ach, Philosophie, Juristerei und Medizin... manchmal habe ich einfach gedacht: aufhören, aufhören, ich will dieses Gefühl nicht haben!

Noah: Du hast mit diesen Nervensägen gesprochen?

Ich: Nein, das können wir leider nicht, und ich wusste ja auch gar nicht, was es wirklich ist. Aber ich wollte dieses komische Gefühl auf jeden Fall loswerde! Jetzt weiß ich, dass das ein Anfall war, und jetzt weiß ich auch, dass ich meistens auch tatsächlich das Bewusstsein verloren habe. Dass ich nicht nur von diesen Nervensägen abgelenkt wurde und mich nicht mehr konzentrieren konnte (so wie ich das früher dachte). Sondern, dass ich wirklich gar nichts mehr um mich rum mitbekommen habe und auf nichts reagieren konnte. 

Thea: Und dann?

Ich: Tja, dann hat sich die Nervensäge, die gestolpert ist, endlich wieder aufgerappelt und ist wieder los gerannt und die anderern hinterher. Dann war der Chef wieder ganz normal beschäftigt und bei mir wurde alles wieder gut. Nur manchmal hatte ich danach dolle Kopfschmerzen, aber mein Bewusstsein war wieder ganz normal. Und bei mir waren die Anfälle wirklich kurz. Das hat man gar nicht gemerkt. Nur ich. Und Papa. Ihm hatte ich es mal erzählt und dann ist es ihm auch manchmal aufgefallen. 

Noah: Ja, aber wenn es bei dir gar schlimm war, warum musstest du denn dann operiert werden?

Ich: Naja, ich hatte zwar nur kleine Anfälle, dafür hatte ich aber viele, manchmal mehrere am Tag. Und es ist egal, was für Anfälle man hat, es ist auf jeden Fall sehr gefährlich für den Menschen, wenn man das Bewusstsein verliert.

Thea: Wieso denn?

Ich: Zum Beispiel: da sitzt ein Mann im Auto und fährt mit 50 km/h durch die Stadt. Dann stolpert plötzlich eine Nervensäge über dieses Höckerchen in seinem Gehirn, die nächste rennt auf sie drauf, die dritte, die vierte, die fünfte und es bildet sich ein Stau in der Hauptstadt. Der Chef verliert die Kontrolle über die Nervensägen und der Mensch bekommt einen Anfall. Und das ist gar nicht gut. Denn beim Autofahren ist es besonders gefährlich das Bewusstsein zu verlieren, denn dann merkt er nämlich gar nicht, ob er auf eine Kurve zufährt oder die Ampel vor ihm rot wird. Das Auto fährt einfach weiter und früher oder später gibt es einen Unfall...

Thea: Deshalb darfst du nicht Autofahren?
Ich: Ja genau. 
Noah: Also wurdest du operiert, um wieder Auto fahren zu dürfen?

Ich: Nein, das ist nur Beispiel warum die Anfälle gefährlich sind. Das größte Problem bei diesen Anfällen ist, dass sie nach und nach größer werden und das Gedächtnis wird immer mehr beschädigt. Das habe auch ich schon gemerkt. Einmal hatte ich nämlich einen etwas größeren Anfall, der ging fast eine halbe Stunde, genau weiß ich es aber nicht. Ich hatte ja das Bewusstsein verloren.

Aber nach diesem Anfall bin ich zum ersten Mal zu einem Hausarzt gegangen. Der hat mich dann zum Neurologen geschickt, der Arzt, der für Nerven zuständig ist. Dort wurde ein EEG gemacht, eine Untersuchung der Nervenströme, wo geguckt wird, wie und wo die Nervensägen im Gehirn laufen, wie schnell sie sind und ob sie auch alles richtig machen. Wenn man Glück hat, kann man auch sehen, ob eine Nervensäge gestolpert ist. Aber es ist nicht so einfach genau so einen Augenblick zu erwischen, schließlich dauert diese Untersuchungen nur eine halben Stunde. Ich hatte kein Glück, bei mir wurde Anfall gefunden.

Noah: Wie haben sie es denn dann herausgefunden?

Ich: Es wurde auch noch ein MRT gemacht. Bei dieser Untersuchung guckt man, wie das Gehirn aussieht, ob es eine normal Form hat oder ob es irgendwo Anomalien gibt, einen Fehler oder eine Entzündung oder so. Und da hat man gemerkt, dass ich an einer Stelle des Gehirns eine Läsion hatte, also eine Narbe oder Verkrustung im linken Teil des Gehirns. Also so ein kleiner Huckel auf einer Straße in der Hauptstadt. Dann wusste man, dass diese komischen Gefühle, die ich hatte, epileptische Anfälle sind. Man hatte die Krankheit und ihre Ursache erkannt.

Noah: Und Krankheiten müssen geheilt werden...

Ich: Ja, genau. Man will diese Anfälle unbedingt stoppten, denn leider kann sich bei jedem Anfall diese kleine Unebenheit auch vergrößern, das Gehirn kann stärker beschädigt werden und die Anfälle können sich verschlimmern.

Thea: Wieso denn?

Ich: Na, stellt euch vor, da ist mal wieder eine Nervensäge gestolpert, und es kommt wieder zu einem heillosen Durcheinander. Diesmal braucht die Nervensäge aber sehr lange um wieder aufzustehen, weil der Huckel ein bisschen größer geworden ist. Dann wird der Haufen der Nervensägen auch größer, es kommt zu einem wilden Gerangel und eine Nervensäge kracht gegen die Leitplanke. Dann gibt es eine Delle und diese Delle beschädigt einen anderen Teil des Gehirns und so weiter. Und irgendwann werden dann auch Teile des Gehirns erwischt, die ganz wichtige Funktionen für die Menschen haben.

Noah: Was denn für Teile?

Ich: Zum Beispiel der Hippocampus, der ist für das Gedächtnis zuständig, der regelt, dass wir uns Sachen merken und uns an Sachen erinnern können. Und dieser Teil, wurde bei mir tatsächlich schon von diesen kleinen Anfällen beschädigt.

Thea: Also musstest du operiert werden...

Ich. Nein, als erstes versucht man die Anfälle mit Tabletten zu stoppen. Aber das ist auch eine ganz schön komplizierte Geschichte. Die erzähle ich euch, wenn ihr wollt, morgen... 

Gute Nacht!

Sunday, 24 April 2016

Ich bin wieder da!

Ich bin im Krankenhaus. Mir wurde vorgestern der Blinddarm operiert.

Das ging alles recht schnell. Am Dienstag hatte ich vergessen mein Pausenbrot zur Arbeit mitzunehmen und hatte dann einfach bis fünf Uhr nichts gegessen. Der Hunger war eigentlich gar nicht so schlimm, aber auf dem Heimweg hatte ich einen richtig knurrenden Magen.

Zu Hause aß ich dann meine Brotbox: 2 Toastbrote mit Mortadella, 1 Babybell- Käse, 3 Cherrytomaten und 4 Apfelschnitzchen; die Reste von Theas Brotbox: 1 Toastbrot mit Mortadella, kein Babybell (!), 3 Cherrytomaten und 4 Apfelschnitzchen; die Reste von Noahs Brotbox: 1 Babybell, kein Toast (!), keine Tomate (!), kein Apfel (!). Und danach gönnte ich mir noch eine Reihe von der 300gr Tafel Milka NussNougat.

Dann war ich satt. Sehr satt. Und wunderte mich nicht, dass mein Magen abends rummorte.

Allerdings rummorte der Magen auch am nächsten Morgen, nach dem Mittagessen hatte ich auch noch etwas Durchfall und nach dem Abendessen tat er dann richtig weh.

In der Nacht konnte ich kaum schlafen und ich merkte, dass vor allem der linke untere Teil des Bauches wehtat. Nach dem Frühstück ging ich gleich zum Arzt. Der drückte auf meinen Bauch, ich schrie auf, er fragte, ob mein Blinddarm schon entfernt worden sei, ich sagte nein, und er sagte: gehen sie sofort ins Krankenhaus.

Dort dauerte es nicht lange. Ein paar Ärzte, ein paar Untersuchungen (hätte ja auch Eierstockentzündung sein können), doch dann kam die Narkose und ich schlummerte friedlich ein...

Nein! Ich schummerte nicht friedlich ein! Ich dachte an meine letzte Narkose vor der Hirn-OP! Ich fragte mich, warum wieder ich? Und ich hatte Angst nicht mehr aufzuwachen!

Aber ich bin wieder aufgewacht! Ich hab es wieder überlebt! Und um ein anständiges Zeichen zu setzten habe ich erstmal ordentlich gekotzt.

Unkraut vergeht nicht!

Wednesday, 13 April 2016

Die Alternative für Frauen mit langen Haaren

Was man so alles liest, wenn man jeden Tag mit dem Bus zur Arbeit fährt...!

Am Dienstag hatte ich mein Buch vergessen und überflog den täglichen Spiegel online Newsletter. Und was war das? Venezuelas Frauen sollen aufs Föhnen verzichten. 

Wie bitte? Frauen sollen sich ihre Haaren in der Luft trocknen lassen, damit der notorische Energiemangel Venezuelas nicht mit schmerzhaften Rationalisierungen des Stromverbrauch bekämpft werden muss? 

Soll das eine schmeichelhafte Aussage über Frauen sein, die hart wie Stahl sind und nasse Haare problemlos aushalten können? Egal in welcher Situation, in welcher Jahreszeit, bei welchen Temperaturen? Oder gefällt diesem durchgeknallten Präsidenten die Frisur seiner Frau nicht?

Ich bin empört! Das ist doch eine Diskriminierung schlecht hin! (Was sagt seine Frau eigentlich dazu?)

Wie schade, dass ich nicht in Venezuela lebe!

Ich würde sofort eine Partei gründen. Ich würde alle Frauen aufrufen diesen unfähigen Präsidenten zu boykottieren. Ich würde alle Friseurinnen aufrufen, Männern nicht mehr die Haare zu schneiden. Ich würde alle Ehefrauen aufrufen, die Elektro-Rasierer ihrer Männer in den Müll schmeißen, nur noch für sich selbst zu kochen, keine einzige Unterhose der Männer in die Waschmaschine zu stecken und nichts mehr für sie zu bügeln.

Und ich würde eine Demonstration organisieren, in der alle Frauen mit ihren Haartrocknern zum Haus des Präsidenten ziehen und ihn mit tausend Föhnen einfach weg pusten!

Die Partei würde ich AfV nennen: Alternative für Venezuela.

Wednesday, 6 April 2016

Mediation per du

Heute hatte ich das erste Mediationsgespräch mit meinen Kolleginnen im Sekretariat - mit der "lieben" Kollegin und mit der "zickigen" Kollegin. Unsere Chefin hatte dieses Gespräch angeregt, weil sich in letzter Zeit der Umgang miteinander verändert und die Atmosphäre verschlechter hatte.

Natürlich hatte ich befürchtet, dass sich herausstellt, dass die Situation seit ich da bin schlimmer geworden ist, dass ich daran Schuld bin und dass sie mit mir nicht zufrieden sind.

Doch glücklicherweise hat sich in dem Gespräch recht schnell herausgestellt hat, was die eigentlichen Probleme sind. Und ich bin sehr froh, dass es nicht an mir liegt, sondern dass sich diese Probleme schon seit längerem hochgeschaukelt haben. Dadurch, dass ich erst seit kurzem dabei bin und auch in einem anderen Büro sitze, stehe ich also bei diesem Problem außen vor. Das freut mich.

Die einzige Schwierigkeit mit mir ist, dass ich mit der einen (zickigen) Kollegin nur zwei Stunden am Tag zusammen arbeite, und dass es dadurch manchmal zu Verständnis- bzw. Verständigungproblemen führt, weil wir uns in dieser kurzen Zeit manchmal einfach nicht genug austauschen können. Aber wenn dies das einzige Problem ist, kriegen wir das bestimmt behoben.

Schlussendlich hat mir die "zickige" Kollegin auch endlich das Du angeboten hat. Das freut mich wirklich, denn sich zu duzen, macht den Umgang mit einander leichter.

Für mich war es also ein sehr positives Gespräch. 

Tuesday, 5 April 2016

Der schwarze Totenkopf und ich

Ich habe viel zu lange nicht gebloggt! Mich hat aber weder der Fernseher noch eine Schreibblockade daran gehindert. 

Sondern mich haben die Schulferien von Thea und Noah, eine langwierige Erkältung und das Totenkopf-Abzeichen abgelenkt. Mein Totenkopf-Langschwimmer-Abzeichen! 

Gleich zu Beginn der Ferien waren wir an einem regnerischen Tag in einem Spaßbad. Aus Zufall hatten wir erfahren, dass es neben dem Freischwimmer-Abzeichen, das Noah schon seit längerem machen sollte, sich aber nicht traut, auch ein Langschwimmer-Abzeichen gibt.

Da ich schon ziemlich lange recht regelmäßig schwimme und einmal die Woche in ca. 45 Minuten 1.500 Meter schwimme fand ich es tatsächlich reizvoll zu testen, ob ich es schaffen könnte eine Stunde ohne Pause zu schwimmen. Doch ich hätte mich nicht getraut einfach so das Abzeichen zu machen.

Doch Florian schlug mir und Noah eine Wette vor: Wenn ich das Totenkopf-Auszeichen machen würde, müsste Noah den Freischwimmer machen. Dazu waren wir beide einverstanden. Und wir haben es beide geschafft. Noah ist in weniger als 15 Minuten 200 Meter geschwommen, ist einmal vom 1 Meter Brett gesprungen und hat einmal im 2 Meter tieftauchen einen Gegenstand herausgeholt. 

Und ich habe eine Stunde Brustschwimmen gemacht, ohne Pause und ohne Festhalten. Und ich bin 91 - einundneunzig! - 25 Meter Bahnen geschwommen. 2250 Meter!

Für die Maria M. kurz vor ihrem 40. Geburtstag eine ganz beachtliche Leistung.