Ich fühle mich zum Kotzen. Ich hocke hier in der neuen Bude und kann mich selbst gar nicht mehr leiden. Ich will nicht nur im Haus sitzen und putzen und kochen und Wäsche waschen und irgendwelche Bewerbungen schreiben. Ich hasse mich dafür. Ich hasse es, dass ich nichts anderes tun kann. Ich wollte nie so sein wie ich jetzt bin. Und nichts hilft mir dabei. Nicht lesen, schwimmen, shoppen. Das macht einfach alles keinen Spaß!
Und diese Laune wirkt sich auf die Kinder aus. Ich habe einfach sehr selten gute Laune. Ich habe ein schlechtes Gewissen, dass ich zu Hause hocke und die Kinder in der Betreuung sind. Doch ich gebe mir wirklich Mühe, wenn sie zu Hause sind. Ich hole sie auch früher ab. Ich will mit ihnen eine schöne Zeit verbringen. Wenigstens die Zeit, die ich habe, mit ihnen nutzen. Aber ich habe keine Ideen, wie ich es mit ihnen machen soll, werde bei jeder Kleinigkeit gleich nervös und gereizt. Sie haben auch keine Lust mit mir eine Fahrradtour zu mache, Eis essen, Tabu spielen, auf den Spielplatz gehen. Sie wollen einfach mal nur im Zimmer sitzen, CD hören und malen oder Lego bauen. Dann koche ich leckeres Rührei für sie und sie haben gar keinen Appetit darauf.
Florian ist wieder auf Dienstreise. Alleine dafür beneide ich ihn. Dass er nicht immer nur im Haus sitzt. Dass er was anderes macht. Was eigenes. Was sinnvolles. Und was ganz elementares für die Familie: verdienen. Dass er sich weiter entwickelt, andere Leute kennen lernt, Neues erlebt. Wien. Korea. Duisburg. Mir würde ja auch nur hier die Innenstadt reichen.
Außerdem bin ich eifersüchtig. Die Kinder vermissen ihn, wenn er nicht da ist. Sie fragen jeden Tag nach ihm. Wenn er da ist, ist die Stimmung besser, Papa macht tolle Sachen mit ihnen. Ist nicht so streng wie ich. Er kann die Kinder mit dem Auto ganz schnell und gemütlich irgendwohin bringen. Er kann schnell mal was einkaufen fahren. Er kann alles mit dem Computer machen. Er kann das Trampolin reparieren. Er kocht viel besser als ich. Mit ihm macht kämpfen viel mehr Spaß. Er kann alle Fragen beantworten. Er merkt sich alles was den Kindern wichtig ist. Mit ihm reden sie einfach öfter und intensiver. An ihn wenden sie sich als erstes.
Ich bin so streng, schimpfe immer so viel mit ihnen. Wenn sie sich nicht richtig angezogen haben, dreckig sind, Quatsch machen, nicht richtig essen, in die Hose machen. Mit mir ist einkaufen so umständlich. Mit mir muss man immer Fahrrad oder Bus fahren. Das macht keinen Spaß, besonders bei schlechtem Wetter. Über die Bücher, die wir lesen, CD die wir hören, Filme, die wir sehen, kann ich mich gar nicht gut mit ihnen unterhalten, denn ich kann mir die Inhalte nicht merken. Wenn sie was darüber erzählen, kann ich oft nichts dazu sagen und wir hören dann einfach auf darüber zu reden. Außerdem kann ich auch so viele Fragen nicht beantworten, ich habe viele Sachen einfach vergessen. Und selbst wenn, verstehen sie meine Antworten manchmal einfach nicht. Dann fragen sie später Florian. Wenn er da ist, fragen sie sowieso immer zu erst ihn.
Und ich bin einfach komplett von ihm abhängig. Ich bin bei ihm versichert, bekomme noch nicht mal Harz IV und auch keine Rente, wenn ich nicht doch noch irgendwann arbeiten gehe. Das fühlt sich so beschissen an. Das ist ganz anders als früher, vor den Kindern, vor der OP. Als wir beide studiert haben, beide gearbeitet haben. Da waren wir gleichberechtigt, auf einer Ebene. Ich bin meinen Weg gegangen, er seinen. Zusammen waren wir zufrieden und glücklich. Beide.
Jetzt fühle ich mich klein und schäbig - und er ist für die Kinder der Held. Dass ich das so empfinde ist unfair ihm gegenüber, und es ist nicht gut für unsere Beziehung und für unsere Familie. Aber es ist so - und ich kann es einfach nicht ändern.
Dass es soweit kommt, hätte ich nie gedacht. Ich fühle mich beschissen.
Monday, 15 June 2015
Friday, 12 June 2015
Nicht viel neues...
Tiefs 1. Der Termin bei dem Weiterbildungsinstitut war zwar sehr nett, aber die Kurse, die dort angeboten werden, entsprechen nicht gerade meinen Vorstellungen. Sie werden mit einem online Lehrer durchgeführt, das heißt, es ist nicht wie in der Uni oder Schule, dass man einen Lehrer hat, dem man Fragen stellen kann und der eventuell am PC behilflich sein kann, sondern man sitzt an zwei Computern. Auf dem einen ist man mit dem Kursleiter verbunden, der den Unterricht ausführt, und auf dem anderen muss man gleichzeitig die Aufgaben, die einem gegeben werden, ausführen. Das ist was ganz neues für mich und ich weiß nicht ob ich das schaffe. Außerdem ist die Vorstellung wieder die Schulbank drücken zu müssen schon ein bisschen deprimierend. Ich bin fast schon 40 und habe doch studiert. Und die Fachbücher, die mir gezeigt wurden, sind sehr anspruchsvoll. Das ist nochmal was anderes, als die Mathe- und Deutschstunden, die ich bei meiner Maßnahme im letzten Jahr gemacht habe. Zwar ist der Kurs, der bei mir in Frage kommt, ein Teilzeitkurs, also bis 13.30 Uhr, aber ich werde auch ganz sicher zusätzlich noch lernen müssen. Wie ich das mit meinen Gedächtnis nach der Operation schaffe, weiß ich nicht. Es wird auf jeden Fall schwerer sein, als mein Studium. Aber das wird sich schon sehr bald zeigen, denn ich muss noch einen Test machen, um zu schauen, ob ich überhaupt für diesen Weiterbildungskurs geeignet bin. Ein Test von 40-60 Minuten am Computer, da bin ich jetzt schon nervös, ob ich den bestehe. Wenn nicht, werde ich für den Kurs gar nicht zugelassen. Dann hat sich die Weiterbildung erledigt.
2. Meine Beraterin von der Rentenversicherung hat immer noch nicht auf meine Email reagiert. Ich versuche jeden Tag mehrmals sie anzurufen, aber sie ist nicht erreichbar und ich kann ihr noch nicht einmal auf eine Nachricht hinterlassen. Sie hat keinen Anrufbeantworter.
3. Ich habe wieder eine Absage zu einer Bewerbung bekommen.
Hochs:
1. Kein Anfall; 2. Noah ist Klassensprecher geworden und hat schon 53 Konflikte mit seinen Klassenkameraden gelöst. 3. Meine Eltern haben uns 3.000 Euro angeboten, damit wir bis zu Theas Einschulung wenigstens schon den Rasen und vielleicht auch die Terrasse gepflastert haben.
2. Meine Beraterin von der Rentenversicherung hat immer noch nicht auf meine Email reagiert. Ich versuche jeden Tag mehrmals sie anzurufen, aber sie ist nicht erreichbar und ich kann ihr noch nicht einmal auf eine Nachricht hinterlassen. Sie hat keinen Anrufbeantworter.
3. Ich habe wieder eine Absage zu einer Bewerbung bekommen.
Hochs:
1. Kein Anfall; 2. Noah ist Klassensprecher geworden und hat schon 53 Konflikte mit seinen Klassenkameraden gelöst. 3. Meine Eltern haben uns 3.000 Euro angeboten, damit wir bis zu Theas Einschulung wenigstens schon den Rasen und vielleicht auch die Terrasse gepflastert haben.
Monday, 8 June 2015
Die Hochs und Tiefs im neuen Haus
Tief: 1. Florian ist auf einer Dienstreise in Wien. Ich beneide ihn. 2. Mein Versuch den Garten noch vor Theas Einschulung machen zu lassen ist so gut wie gescheitert. Zwei Gartenbau-Firmen haben schon gesagt, dass es bis September auf keinen Fall klappt. Eine Firma sagte, der Beginn wäre frühestens nach den Sommerferien, und die andere hat sogar erst Herbst angeboten. Die anderen beiden haben mich noch gar nicht zurückgerufen. 3. Heute habe ich gar keine Stellenanzeige gefunden, auf die ich mich hätte bewerben können. Ich hatte versucht meine ehemaligen Beraterin von der Rentenversicherung anzurufen und sie zu fragen, ob mir eine Weiterbildung zur Bürokauffrau/Büroassistentin genehmigt werden könnte, bzw ob ich in einer Weiterbildung gefördert werden könnte. Das hatte mir mein Beraterin von der Agentur für Arbeit vorgeschlagen. Leider habe ich sie nicht telefonisch erreicht. Aber ich hatte danach noch nach Weiterbildungskursen recherchiert und tatsächlich was Brauchbares für mich gefunden. Eine sechsmonatige Weiterbildung als Büroassistentin in Teilzeit. Das wäre ziemlich praktisch für mich. Ich habe am Mittwoch einen Beratungstermin. Es wäre natürlich auch schön, wenn ich mit meiner Beraterin von der Rentenversicherung vorher noch darüber sprechen könnte - und sie mir ein grünes Licht dafür gibt.
Tuesday, 2 June 2015
Baustellen
Ich würde gerne etwas Positives, etwas Schönes, etwas Lustiges schreiben. Aber mir fällt nichts ein.
Das neue Haus ist sehr schön und positiv, aber wirklich lustig ist das Leben hier nicht. Es gibt auch noch ganz schön viele Baustellen. Und zwar nicht nur handwerkliche, sondern auch familiäre Baustellen.
Thea möchte nicht in ihrem neuen Zimmer schlafen. Sie hat Angst vor einem Dieb. Glücklicherweise hat Noah sich bereit erklärt, dass sie bei ihm schlafen kann. Aber eigentlich will sie lieber in unserem Bett schlafen. Außerdem sagt sie seit neustem zu allem immer nein. Sie will nicht in den Kindergarten, sie will nicht zu den Singvögeln, sie will nicht zum Turnen. Sie will, dass ich sie früher vom Kindergarten abhole (denn ich bin ja immer zuhause!) Wenn ich sie dann wirklich früher abhole, will sie lieber bleiben, denn was soll sie schon im neuen Haus machen? Der Garten ist nicht fertig. Wir haben ja noch nicht mal einen anständigen Rasen. Wir sollten mal wieder einen Ausflug machen. Da stimmt ihr Noah sofort zu. Wir haben schon so lange keinen Ausflug mit ihnen gemacht - und die anderen Kinder machen immer wieder Ausflüge mit ihren Eltern.
Noah macht ständig in die Hose. Er kommt aus der Schule und stinkt nach Kacke. Fast jeden Tag. Oft sogar mehrmals am Tag. Manchmal ist die Hose so getrocknet, dass es sogar kleine Köttel gibt, die dann aus der Hose rausrutschen, in den Schuhen landen, oder sogar irgendwo im Haus rumliegen. Ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll. Ich will ihn nicht unter Druck setzen. Aber ich kann es auch einfach nicht ertragen, dass er so oft so unangenehm riecht und dass ich ständig putzen und Wäsche waschen muss.
Heute habe ich zwei Bewerbungen geschrieben. Gestern auch noch zwei. Inzwischen habe ich schon fünf Absagen bekommen und zwei sind noch offen, aber schon über einen Monat her. Da kommt keine Einladung mehr zum Vorstellungsgespräch.
Aber morgen hat mich eine Freundin zu einem Frühstück in einem Café eingeladen. Ich freu mich drauf. Raus aus dem neuen Haus. Raus aus den Sorgen.
Und einfach nicht selbst den Tisch denken müssen.
Das neue Haus ist sehr schön und positiv, aber wirklich lustig ist das Leben hier nicht. Es gibt auch noch ganz schön viele Baustellen. Und zwar nicht nur handwerkliche, sondern auch familiäre Baustellen.
Thea möchte nicht in ihrem neuen Zimmer schlafen. Sie hat Angst vor einem Dieb. Glücklicherweise hat Noah sich bereit erklärt, dass sie bei ihm schlafen kann. Aber eigentlich will sie lieber in unserem Bett schlafen. Außerdem sagt sie seit neustem zu allem immer nein. Sie will nicht in den Kindergarten, sie will nicht zu den Singvögeln, sie will nicht zum Turnen. Sie will, dass ich sie früher vom Kindergarten abhole (denn ich bin ja immer zuhause!) Wenn ich sie dann wirklich früher abhole, will sie lieber bleiben, denn was soll sie schon im neuen Haus machen? Der Garten ist nicht fertig. Wir haben ja noch nicht mal einen anständigen Rasen. Wir sollten mal wieder einen Ausflug machen. Da stimmt ihr Noah sofort zu. Wir haben schon so lange keinen Ausflug mit ihnen gemacht - und die anderen Kinder machen immer wieder Ausflüge mit ihren Eltern.
Noah macht ständig in die Hose. Er kommt aus der Schule und stinkt nach Kacke. Fast jeden Tag. Oft sogar mehrmals am Tag. Manchmal ist die Hose so getrocknet, dass es sogar kleine Köttel gibt, die dann aus der Hose rausrutschen, in den Schuhen landen, oder sogar irgendwo im Haus rumliegen. Ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll. Ich will ihn nicht unter Druck setzen. Aber ich kann es auch einfach nicht ertragen, dass er so oft so unangenehm riecht und dass ich ständig putzen und Wäsche waschen muss.
Heute habe ich zwei Bewerbungen geschrieben. Gestern auch noch zwei. Inzwischen habe ich schon fünf Absagen bekommen und zwei sind noch offen, aber schon über einen Monat her. Da kommt keine Einladung mehr zum Vorstellungsgespräch.
Aber morgen hat mich eine Freundin zu einem Frühstück in einem Café eingeladen. Ich freu mich drauf. Raus aus dem neuen Haus. Raus aus den Sorgen.
Und einfach nicht selbst den Tisch denken müssen.
Friday, 29 May 2015
So nicht...
Der Termin mit meinem Berater vom Integrationsfachdienst war wie für die Katz.
Ich hatte ihm ein Anschreiben für eine Bewerbung mitgebracht, die ich noch ein bisschen mit ihm besprechen wollte. Aber er hat sie einfach schnell gelesen und ok gesagt. Das ging so schnell, dass ich vergessen hatte, was ich eigentlich fragen wollte. Das hätte ich mir auch sparen können.
Danach haben wir wieder eine Stunde lange Stellenanzeigen angeschaut und nichts wirklich Gutes gefunden. Entweder wird Fachwissen oder Ausbildung gefordert oder es ist in Vollzeit - oder beides. Ich kann es kaum glauben, dass das die einzige Hilfe ist, die ich vom Integrationsfachdienst bekomme. Keine Tipps und Tricks, keine Suche nach Stellen für Schwerbehinderte, keine Hilfe zum Anschreiben.
Hinterher hätte ich am liebsten eine geraucht. Dann bin ich seit langem mal wieder an der Buchhandlung vorbei gelaufen und habe im Fenster oben eine ehemalige Kollegin gesehen. Mir kamen einfach die Tränen.
Es war so schön dort und es ist so schade, dass es nicht geklappt hat. Jetzt muss ich irgendeine Arbeit annehmen und ich habe noch nicht mal eine Perspektive. So habe ich mir mein Leben nicht vorgestellt.
Aus lauter Frust habe ich mir eine 300 g Tafel Milka Nussnougat gekauft. Schmeckt besser als Zigaretten...
Ich hatte ihm ein Anschreiben für eine Bewerbung mitgebracht, die ich noch ein bisschen mit ihm besprechen wollte. Aber er hat sie einfach schnell gelesen und ok gesagt. Das ging so schnell, dass ich vergessen hatte, was ich eigentlich fragen wollte. Das hätte ich mir auch sparen können.
Danach haben wir wieder eine Stunde lange Stellenanzeigen angeschaut und nichts wirklich Gutes gefunden. Entweder wird Fachwissen oder Ausbildung gefordert oder es ist in Vollzeit - oder beides. Ich kann es kaum glauben, dass das die einzige Hilfe ist, die ich vom Integrationsfachdienst bekomme. Keine Tipps und Tricks, keine Suche nach Stellen für Schwerbehinderte, keine Hilfe zum Anschreiben.
Hinterher hätte ich am liebsten eine geraucht. Dann bin ich seit langem mal wieder an der Buchhandlung vorbei gelaufen und habe im Fenster oben eine ehemalige Kollegin gesehen. Mir kamen einfach die Tränen.
Es war so schön dort und es ist so schade, dass es nicht geklappt hat. Jetzt muss ich irgendeine Arbeit annehmen und ich habe noch nicht mal eine Perspektive. So habe ich mir mein Leben nicht vorgestellt.
Aus lauter Frust habe ich mir eine 300 g Tafel Milka Nussnougat gekauft. Schmeckt besser als Zigaretten...
Wednesday, 27 May 2015
Neue Zeit - alte Zeit
Ich fühle mich nicht wohl. Es ist zwar toll im neuen Haus zu wohnen, aber es ist immer noch erhebliches Chaos. Wir müssen noch so viel tun - nicht nur im neuen sondern auch im slten Haus - und ich habe das Gefühl, ich schaffe gar nichts.
Gleich habe ich ein Gespräch bei meinem Berater vom Integrationsfachdienst. Unser letztes Gespräch war merkwürdig. Wir haben im Internet nach Jobangeboten für mich gesucht. Zum Schluss hatte er mir vier ausgedruckt und gesagt ich soll Bewerbungen schreiben.
Durch den Umzug habe ich das einfach nicht geschafft. Jetzt fühle ich mich komisch dahin zu gehen. Vor allem weil ich nicht will, dass denkt, dass ich kein Interesse an der Jobssuche habe.
Nein, es ist das genaue Gegenteil. Ich will mich auch am Abbezahlen des Kredits beteiligen! Und wir haben noch viele Sachen nicht erledigt. Der Garten ist zum Beispiel noch nicht gemacht. Ein schöner Garten, mit Terrasse und Markise, Blumenbeet und Gartenzaun ist teuer und wir haben ihn noch lange nicht geplant.
Außerdem haben wir eine Zusage für die Schulkindbetreuung von Thea bekommen. Denn sie kommt nächstes Jahr in die erste Klasse. Unglaublich wue schnell die Zeit vergeht! Die Zusage ist einerseits sehr positiv, denn ohne die Betreuung hätte ich keine Chance zu arbeiten. Aber das kostet auch Geld und wenn ich bis dahin noch keinen Job habe ist es nicht nur ein schlechtes Gewissen, dass ich die Kinder"abschiebe", sondern auch eine finanzielle Belastung.
Ich fühle mich unter Druck. Ich möchte unbedingt arbeiten, aber ich weiß einfach nicht wie ich das hinkriegen soll.
Gleich habe ich ein Gespräch bei meinem Berater vom Integrationsfachdienst. Unser letztes Gespräch war merkwürdig. Wir haben im Internet nach Jobangeboten für mich gesucht. Zum Schluss hatte er mir vier ausgedruckt und gesagt ich soll Bewerbungen schreiben.
Durch den Umzug habe ich das einfach nicht geschafft. Jetzt fühle ich mich komisch dahin zu gehen. Vor allem weil ich nicht will, dass denkt, dass ich kein Interesse an der Jobssuche habe.
Nein, es ist das genaue Gegenteil. Ich will mich auch am Abbezahlen des Kredits beteiligen! Und wir haben noch viele Sachen nicht erledigt. Der Garten ist zum Beispiel noch nicht gemacht. Ein schöner Garten, mit Terrasse und Markise, Blumenbeet und Gartenzaun ist teuer und wir haben ihn noch lange nicht geplant.
Außerdem haben wir eine Zusage für die Schulkindbetreuung von Thea bekommen. Denn sie kommt nächstes Jahr in die erste Klasse. Unglaublich wue schnell die Zeit vergeht! Die Zusage ist einerseits sehr positiv, denn ohne die Betreuung hätte ich keine Chance zu arbeiten. Aber das kostet auch Geld und wenn ich bis dahin noch keinen Job habe ist es nicht nur ein schlechtes Gewissen, dass ich die Kinder"abschiebe", sondern auch eine finanzielle Belastung.
Ich fühle mich unter Druck. Ich möchte unbedingt arbeiten, aber ich weiß einfach nicht wie ich das hinkriegen soll.
Saturday, 23 May 2015
Die erträglichen Besonderheiten der Maria M.
Am Dienstag war ich in Bremen. Es war ein komischer Tag, plötzlich losgerissen
aus dem Umzugs-Chaos, und sehr anstrengend, mit ganz vielen
unangenehmen Untersuchungen an beiden Augen. Aber irgendwie auch ganz
nett, was ganz anderes als Stress.
Bremen
ist eine interessante Stadt, schöne alte Häuser, viele
heruntergekommene Menschen, kalt und windig. Doch wenn man eine
positive Untersuchung hinter sich hat, ist auch das was man sich
hinterher anschaut, positiv. Selbst der Regen, der mich erwischt hat.
Ich war
in der Augenklinik und hatte mir noch einmal mein linkes Auge
untersuchen lassen. Es ist geblieben wie es im April war. Ich habe
keine epiretinale Gliose. Aber das Häutchen, das sich
glücklicherweise von selbst von der Netzhaut gelöst hatte, schwimmt
immer noch im Auge herum und das merke ich natürlich auch. Der Arzt
sagt, es hat sich ein klitzekleines bisschen verringert, aber ich
sehe keine Veränderung auf dem Bildschirm und merke auch keine
Verbesserung in meiner Sichtweise. Doch wenn er das sagt, muss ich es
ja wohl glauben. Und er sagt auch, dass ich immer noch ganz gute
Chancen habe, dass es noch ein bisschen geringer wird, oder
wenigstens absinkt und nicht mehr in der Augenmitte herum schwimmt.
Ich
hatte es mir ein bisschen positiver erhofft, aber es ist wie es ist,
und wenigstens ist es nicht schlimmer als letztes Mal. Da muss ich
wohl einfach noch ein bisschen Geduld haben und hoffen, dass ich
vielleicht irgendwann nichts mehr merke.
Ein
bisschen bedenklicher ist das kleine Teil vom linken Auge, das sie
das letzte Mal dort gefunden hatten. Es war nicht klar, was genau es
ist, der Arzt sagte, es könnte vielleicht die Folge vom Lasern sein.
Aber mein normaler Augenarzt sagte, dass er mich auf dem linken Auge
nicht gelasert hat. Nur am rechten Auge. Ehrlich gesagt kann mich
irgendwie gar nicht mehr daran erinnern.
Aber
eigentlich dachte ich schon, dass ich an beiden Augen gelasert wurde.
Doch bei einem anderen Augenarzt war ich vor der Operation nicht, und
vor lauter Untersuchungen und Krankenhausaufenthalten kann ich mich
nicht mehr genau daran erinnern, ob es nur ein Auge, oder beide Augen
waren, die gelasert wurden. Der Arzt sagte heute, es kann auch
einfach nur eine kleine Anomalie, ein Hämatom, ein
Dingsbums-Schnickschnack, ein Irgendetwas... man weiß es einfach
nicht. Aber egal was, wenn es so bleibt wie es jetzt ist, ist es
nicht schlimm. Es muss einfach weiterhin untersucht werden und ich
muss mich damit abfinden.
Und das
mache ich auch, denn inzwischen bin ich es gewöhnt. So ist es halt
bei mir. Ich bin kein Null-Acht-Fünfzehn Mensch! Ich habe ganz viele
Besonderheiten, im Gehirn, in der Niere, im Herzen und jetzt auch
noch im Auge.
Da muss ich doch stolz auf mich sein!
Ich bin was ganz Besonderes – zumindest medizinisch gesehen.
Da muss ich doch stolz auf mich sein!
Ich bin was ganz Besonderes – zumindest medizinisch gesehen.
Tuesday, 19 May 2015
Geschafft
Der Umzug ist überstanden. Es war ganz schön anstrengend und chaotisch. Aber im Wesentlichen ist alles gut gelaufen.
Das Umzugsunternehmen kam eine Dreiviertelstunde zu spät. Aber es waren acht Personen und in vier Stunden war alles erledigt. Gepackt hatte ich fast alles selbst, mit ein bisschen Hilfe von meiner Mutter, und Florian hatte die Technik-Dinge übernommen. Eigentlich wollte ich die Kartons alle zählen, aber dazu bin ich nicht gekommen. Über Ebay Kleinanzeigen hatten wir 56 Stück gekauft, am Tag vor dem Umzug hatte Florian noch 15 aus einem Baumarkt geholt und im Keller hatten wir vom letzten Umzug noch einige Kartons behalten. Die Vorstellung, diese ganzen Kartons und Regale und Betten und Schränke und Tische selber demontieren und packen und schleppen und stapeln und wieder montieren, bringt mich jetzt noch ins Schwitzen. Ich bin froh, dass mein Schwiegervater sich erbarmt hatte und uns das Umzugsunternehmen spendiert hatte. Und ich bin auch sehr dankbar, dass meine Eltern uns beim Umzug geholfen haben.
Jetzt sind fast alle Kartons ausgepackt, Zimmer eingerichtet, Schränke eingeräumt, Regale einsortiert. Eine Klobrille fehlt, die Fußbodenheizung funktioniert nicht, die Küche ist noch nicht fertig und die Dachfensterrollos sind noch nicht montiert.
Aber egal. In der Küche funktioniert alles, die Kinderzimmer sind schön und das Wohnzimmer ist gemütlich.
Und an ein Klo ohne Klobrille kann ich mich auch noch gewöhnen. Hauptsache die Spülung geht!
Friday, 8 May 2015
Countdown
Ich bin müde. Es ist eine sehr anstrengende Zeit.
Mein EEG verlief ganz gut. Ich habe keine epileptischen Potentiale. Aber auf beiden Seiten sind einige Nervenbahnen verlangsamt. Das ist nicht normal, aber das war auch vor der OP ab und zu so, und das kann man sich nicht erklären. Natürlich kommt in diesen Situationen die Angst in mir hoch: mein Gehirn ist eigentlich entzündet, ich habe einige Flecken auf der linken Gehirnhälfte, die Nervenbahnen sind verlangsamt. Dass es mir gut geht, ist fast unglaublich. Hoffentlich bleibt das so! Ganz lange! Doch wenn ich daran denke, habe ich Angst.
Wie gut, dass ich im Moment so viel Ablenkung habe. Im Haus ist noch jede Menge zu tun. Im Bad musste ein Teil von der Badewanne aus der Wand ausgetauscht werde, also wurde die Treppenwand auf der anderen aufgebohrt. Ein riesen Loch, genau an der Wand, die Florian vorgestern gestrichen hatte. Jetzt muss erstmal das Loch wieder gestopft werden und dann muss noch einmal gestrichen werden. Wieso haben sie uns noch nicht mal angerufen und es uns gesagt? Die Küche ist immer noch nicht fertig. Der Küchenbauer war da, hat sich alles angeschaut und mit uns alles genaustens besprochen. Heute kommt ein neuer Plan, in dem wieder zwei Dinge nicht stimmen. Da steht wieder, dass der Trockenbauer den Schrank befestigen soll. Aber besprochen hatten wir doch, dass dieser wichtige Schrank vom Küchenbauer befestigt werden muss, bevor der Trockenbauer den Rest machen kann. Das hatten wir doch eigentlich in diesem Gespräch geklärt. Wieso ist das jetzt immer noch unklar?
Außerdem sind Noah und Thea schräg drauf. Sie sind ziemlich hin und her gerissen, einerseits ist das neue Haus sehr schön und in der neuen Nachbarschaft wohnen auch einige Schulkameraden von Noah und Theas Freunde aus dem Kindergarten. Anderseits sind sie auch sehr traurig. Sie wollen nicht von den alten Freunden weg und sie brauchen keine neuen Zimmer, kein neues Haus, das sie nicht kennen.
Thea beschwert sich, dass wir so wenig Zeit für sie haben, schon so lange nicht mehr Oma und Opa besucht haben, nichts mehr unternommen haben, dass Florian immer im Haus arbeitet und nicht beim Abendessen und beim ins Bett gehen dabei ist. Ich versuche mir Zeit für sie zu nehmen, mit ihnen was spielen, was mit ihnen zu unternehmen. Aber Noah sagt zu allem immer "nein". Und sein neues Zimmer ist langweilig, der Teppich langweilig, die blaue Wand langweilig, das bunte Dachrollo langweilig.
Wir müssen durchhalten. Noch sechs Tage, dann ziehen wir um. Dann wird es hoffentlich wieder ruhiger und gemütlich und wohnlich und schön.
Mein EEG verlief ganz gut. Ich habe keine epileptischen Potentiale. Aber auf beiden Seiten sind einige Nervenbahnen verlangsamt. Das ist nicht normal, aber das war auch vor der OP ab und zu so, und das kann man sich nicht erklären. Natürlich kommt in diesen Situationen die Angst in mir hoch: mein Gehirn ist eigentlich entzündet, ich habe einige Flecken auf der linken Gehirnhälfte, die Nervenbahnen sind verlangsamt. Dass es mir gut geht, ist fast unglaublich. Hoffentlich bleibt das so! Ganz lange! Doch wenn ich daran denke, habe ich Angst.
Wie gut, dass ich im Moment so viel Ablenkung habe. Im Haus ist noch jede Menge zu tun. Im Bad musste ein Teil von der Badewanne aus der Wand ausgetauscht werde, also wurde die Treppenwand auf der anderen aufgebohrt. Ein riesen Loch, genau an der Wand, die Florian vorgestern gestrichen hatte. Jetzt muss erstmal das Loch wieder gestopft werden und dann muss noch einmal gestrichen werden. Wieso haben sie uns noch nicht mal angerufen und es uns gesagt? Die Küche ist immer noch nicht fertig. Der Küchenbauer war da, hat sich alles angeschaut und mit uns alles genaustens besprochen. Heute kommt ein neuer Plan, in dem wieder zwei Dinge nicht stimmen. Da steht wieder, dass der Trockenbauer den Schrank befestigen soll. Aber besprochen hatten wir doch, dass dieser wichtige Schrank vom Küchenbauer befestigt werden muss, bevor der Trockenbauer den Rest machen kann. Das hatten wir doch eigentlich in diesem Gespräch geklärt. Wieso ist das jetzt immer noch unklar?
Außerdem sind Noah und Thea schräg drauf. Sie sind ziemlich hin und her gerissen, einerseits ist das neue Haus sehr schön und in der neuen Nachbarschaft wohnen auch einige Schulkameraden von Noah und Theas Freunde aus dem Kindergarten. Anderseits sind sie auch sehr traurig. Sie wollen nicht von den alten Freunden weg und sie brauchen keine neuen Zimmer, kein neues Haus, das sie nicht kennen.
Thea beschwert sich, dass wir so wenig Zeit für sie haben, schon so lange nicht mehr Oma und Opa besucht haben, nichts mehr unternommen haben, dass Florian immer im Haus arbeitet und nicht beim Abendessen und beim ins Bett gehen dabei ist. Ich versuche mir Zeit für sie zu nehmen, mit ihnen was spielen, was mit ihnen zu unternehmen. Aber Noah sagt zu allem immer "nein". Und sein neues Zimmer ist langweilig, der Teppich langweilig, die blaue Wand langweilig, das bunte Dachrollo langweilig.
Wir müssen durchhalten. Noch sechs Tage, dann ziehen wir um. Dann wird es hoffentlich wieder ruhiger und gemütlich und wohnlich und schön.
Tuesday, 5 May 2015
Ist das alles?
Heute hatte ich meinen Termin beim Integrationsfachdienst. Das einzige was wir gemacht haben war in der Homepage vom Arbeitsamt nach Stellenanzeigen suchen. Eine Stunde lang. Zum Schluss hat er mir fünf Stellenanzeigen ausgedruckt und mir einen neuen Termin in drei Wochen gegeben.
Das ist doch keine Hilfe! Im Internet nach Stellen recherchieren und drucken kann ich auch zu Hause, da muss ich doch nicht eine dreiviertel Stunde Bus fahren. Und was machen wir dann im nächsten Termin? Muss ich bis dahin für alle Stellen Bewerbungen geschrieben haben? Die Stellen sind auch nicht wirklich tolle Jobs.
Ich bin enttäuscht, bisher hatte ich das Gefühl, dass er sich individuell für mich einsetzt. Also wirklich auch Stellen für Schwerbehinderte raussucht, vielleicht eine "Insider-Suche" machen kann, auch intensiveren Kontakt hat. Davon habe ich nichts gemerkt.
Und so fühlte es sich nicht an. Jetzt fühle ich mich unter Druck gesetzt. Muss ich wirklich für alle fünf Stellen eine Bewerbung schreiben?
Ob ich das in drei Wochen schaffe, wenn wir in der Zeit auch noch mit Hausbau und Umzug beschäftigt sind, ist fraglich.
Das ist doch keine Hilfe! Im Internet nach Stellen recherchieren und drucken kann ich auch zu Hause, da muss ich doch nicht eine dreiviertel Stunde Bus fahren. Und was machen wir dann im nächsten Termin? Muss ich bis dahin für alle Stellen Bewerbungen geschrieben haben? Die Stellen sind auch nicht wirklich tolle Jobs.
Ich bin enttäuscht, bisher hatte ich das Gefühl, dass er sich individuell für mich einsetzt. Also wirklich auch Stellen für Schwerbehinderte raussucht, vielleicht eine "Insider-Suche" machen kann, auch intensiveren Kontakt hat. Davon habe ich nichts gemerkt.
Und so fühlte es sich nicht an. Jetzt fühle ich mich unter Druck gesetzt. Muss ich wirklich für alle fünf Stellen eine Bewerbung schreiben?
Ob ich das in drei Wochen schaffe, wenn wir in der Zeit auch noch mit Hausbau und Umzug beschäftigt sind, ist fraglich.
Subscribe to:
Posts (Atom)