Monday, 19 May 2014

Die tiefe Hälfte

Mehr als die Hälfte der ersten Phase meiner Maßnahme ist vorbei. Ich bin nicht voran gekommen. Ich finde ich trete auf der Stelle... 

Tief: 
1. ich habe immer noch keine Bewerbung abgeschickt; 2. ich habe keine Perspektive, was ich für ein Praktikum machen könnte; 3. ich habe keine Ideen mehr, was ich bloggen könnte; 4. ich habe kaum noch Zeit für die Kinder und für Florian und mich

Hoch:
1. kein Anfall; 2. Übergangsgeld; 3. Ich habe ein neues Buch angefangen

Da steh ich nun ich armer Thor und bin so klug als wie zuvor... 

Saturday, 17 May 2014

Ende der Shades of Grey

Ich habe das Buch fertig gelesen, es waren 602 Seiten und ich habe ziemlich genau einen Monat dafür gebraucht. Damit bin ich sehr zufrieden. Das liegt natürlich an meinen Busfahrten. Ich weiß nicht genau, wie viel Seiten ich im Bus lese, aber jeden Tag mehrere Seiten lesen, hilft beim Verständnis und der Erinnerung.

Ich bin sicher, dass ich mir die Handlung gut merken konnte, nicht nur den roten Faden sondern auch nicht so wichtige Einzelheiten. 

Ehrlich gesagt, habe ich gerade die letzte Szene noch einmal gelesen, obwohl es wirklich eine sehr wichtige und entscheidende Situation für das Ende des Buchs ist. Ich war mir aber nicht ganz sicher, was genau passierte ist. Es war das erste Mal, dass er ihr tatsächlich richtig weh getan hat. Er hat sie sechs mal ausgepeitscht und es hat ihr so sehr weh getan, dass sie ihn hinterher verlassen hat.

Ob er sie nur geschlagen oder auch gefickt hatte, wusste ich nicht. Das musste ich noch einmal nachlesen. Aber an alle Details der vielen sexuellen Szenen muss ich mich wirklich nicht erinnern!

Er hat es nicht getan. Eigentlich musste es auch so sein, schließlich liebt er sie wirklich - auch wenn er es nicht zugibt.

Den zweiten Teil werde ich natürlich auch lesen.

Monday, 12 May 2014

Shades of Langeweile

Letzte Woche blieb zufälligerweise mein Buch "Shades of Grey" auf dem Tisch liegen. Und zwar so, dass man den Titel lesen konnte. Ich hätte nicht erwartet, dass es tatsächlich zu so einer hitzigen Diskussion darüber kommen könnte. 

Der Kollege, der neben mir sitzt, fing damit an. Er fragte mich sehr abfällig, ob mir das Buch gefiel. Dann ging es los. Ich hatte überhaupt keine Zeit zu antworten. Der nächste war richtig echauffiert und missbilligend, eine Kollegin fand es pervers, die andere pornografisch. Einer fand es eklig, der andere abstoßend. Und ein anderer konnte gar nicht verstehen, wieso ausgerechnet ich, so ein Buch lesen würde. Als ich fragen wollte, warum er es eigentlich vor allem bei mir so unverständlich fand, mischte sich noch eine andere Kollegin ein.

Sie sagte, sie könnte dieses Gespräch gar nicht verstehen. Das Buch sei doch einfach total langweilig. Sie hätte wirklich versucht es fertig zu lesen. Aber nach der Hälfte konnte sie einfach nicht mehr, es war einfach zu langweilig. Dann war ich sprachlos. 

Die Argumente gegen das Buch kann ich teilweise schon verstehen. Es gibt ziemlich viele sexuelle Szenen, die sehr detailgetreu beschrieben und manchmal wirklich sehr speziell sind. Aber es ist einfach auch eine sehr interessante und spannende Liebesgeschichte. Und langweilig auf keinen Fall!

Wenn sie diese sexuellen Praktiken langweilig findet, will ich lieber nicht wissen, was sie für Vorlieben hat.

Monday, 5 May 2014

Ernüchterndes Praktikum

Vorgestern habe ich in der Stadt eine Frau getroffen, die die Maßnahme vor mir macht und schon im Praktikum ist. Ich habe sie natürlich gefragt, wie es ihr gefällt. Aber die Antwort war ernüchternd. Das Praktikum macht ihr keinen Spaß. Sie wird auf keinen Fall übernommen werden und sie will es auch gar nicht. 

So was kann natürlich passieren. Aber sie hat auch gesagt, dass die anderen aus ihrer Gruppe auch sehr unzufrieden sind und in ihren Praktika keine Perspektive sehen. Auch mit der Betreuung im ersten Teil der Maßnahme ist sie nicht zufrieden. Sie sagt, es hat ihr nichts gebracht. Hilfe ein sinnvolles Praktikum zu finden, bekam sie nicht. Sie hat das Gefühl, dass die Berater auf Biegen und Brechen versuchten, alle in ein Praktikum zu schieben. 

Sie hatte über 40 Bewerbungen geschrieben, auf irgendwelche Stellen, die nicht viel mit ihr zu tun haben. In dem Praktikum, das sie jetzt macht, fühlt sie sich wie ein "Mädchen für alles", das ist nicht das, was sie ihr Leben lang arbeiten möchte. Sie hat auch schon wieder angefangen neue Bewerbungen zu schreiben. 

Am Mittwoch findet eine Telefon-Training-Stunde statt. Es sträubt mich jetzt schon, dass ich solche Situationen spielen und vorführen muss, und dass ich mir etwas sagen lassen muss. Ich habe in meiner alten Arbeit viel - und erfolgreich - telefoniert, und war überzeugt davon, dass ich es gut mache. Wie das jetzt ist, würde ich jetzt am liebsten gar nicht wissen. Das ist ein wunder Punkt, das ist eins meiner Probleme: das frei sprechen. Ich möchte mich nicht kritisieren lassen, das macht mich fertig, denn dadurch merke ich was ich nicht mehr kann. Und ich habe Angst, wie es bei mir weitergehen wird.

Manchmal denke ich, ich sollte das Geld, was mir jetzt gezahlt wird, auf die hohe Kante legen. Denn nach 7 Monaten werde ich nichts mehr bekommen. 

Thursday, 1 May 2014

Erster Rückschlag

Der Berater, der für die Vermittlung der Praktika zuständig ist, hat gestern für mich in meiner Lieblings-Buchhandlung angerufen und gefragt, ob es möglich wäre bei ihnen im Büro ein Praktikum zu machen. Die Antwort war nein. Einfach nein. Im Büro kann man kein Praktikum machen. So einfach ist das. 

Ich bin enttäuscht. Es war meine Idee Nr. 1: Zu erkennen was die Buchhandlung im Innersten zusammen hält...

Im Verkauf kann man ein Praktikum machen, aber das wird mir die Rentenversicherung nicht genehmigen, denn ich habe die Maßnahme wegen meiner Aphasie genehmigt bekommen. Weil ich mit meinen Sprachproblemen im Publikumsverkehr nicht geeignet bin.

Außerdem habe ich in meinem Studium in einer Buchhandlung schon als Aushilfe im Verkauf gearbeitet. Dafür brauche ich kein Praktikum mehr.

Sunday, 27 April 2014

Die erste Woche nach Ostern

Tief: 
1. Thea möchte nicht in den Kindergarten gehen. Die zwei Wochen, in denen Noah und Thea bei den Großeltern waren, haben sie ein bisschen aus dem Alltag gezogen. Jetzt muss sie sich wieder daran gewöhnen; 

2. Noah kann nicht mehr so flüssig lesen, wie vor den Ferien. Um lesen zu lernen braucht man Kontinuität. Wir haben uns nicht daran gehalten; 

3. Meine Tage sind wieder so anstrengend geworden, dass ich manchmal gereizt bin und mit den Kindern zu streng umgehe. Und das, obwohl wir uns so lange nicht gesehen haben. Ich habe doch Thea und Noah vermisst, kann ich jetzt nicht ein bisschen lieber zu ihnen sein?

Hoch: 
1. kein Anfall; 

2. Der Grad meiner Behinderung wurde jetzt neu eingestellt. Er wurde von 60 auf 50 reduziert. Das ist ein ganz gutes Ergebnis, denn mit dem GdB von 50 bin ich immer noch schwerbehindert.

3. Ich habe endlich den Bescheid zu dem Übergangsgeld meiner Maßnahme bekommen. Ich bekomme 75% meines letzten Gehalts. Es ist ein sehr gutes Gefühl, etwas zu "verdienen"  - mal wieder seit 8 Jahren! Es ist wie ein Lohn für die anstrengenden 30 Stunden in der Woche. Ich fühle mich, als hätte ich tatsächlich einen Job, der ein bisschen stressig ist, mir aber Spaß macht und für den ich bezahlt werde. 

Allerdings ist es keine Garantie, dass es nach den neun Monaten weiter gehen wird, denn es ist kein Job, nur ein befristetes Praktikum. Dass es bezahlt wird, finde ich super. Aber ich hätte es auch ohne Bezahlung gemacht, aus Dankbarkeit für diese Hilfe zum Sprung ins Arbeitsleben.

Ich hoffe, dass ich es schaffe... 


Wednesday, 23 April 2014

Ich hab da mal keine Frage, Frau von der Leyen...

Florian und ich haben letzte Woche einen uralten Star Treck Film geguckt. Da wir ihn natürlich schon kannten, fand ich es so langweilig, dass ich nach der ersten Werbepause einschlief. 

Als ich aufwachte, war die Mission ausgeführt und ich bekam nur mit, dass die Vulkanierin T´Pau zum Offizier befördert wurde. Aus lauter Ärger, dass ich die Handlung verpasst hatte (und weil ich natürlich auch eine Emanze bin!) habe ich mich mächtig über diese Diskriminierung echauffierte. Florian lachte über mich und sagte, dass es auch in Deutschland keine weibliche Form von Offizier gibt.  

Das hat mich natürlich wirklich brüskiert. In einem Land mit einer Kanzlerin - und seit Neustem mit einer Verteidigungsministerin gibt es keine weibliche Form des Offiziers? Unverschämtheit!

Ich wollte sofort einen Brief an Frau von der Leyen schreiben und mich beschweren. Aber bevor ich so einen Brief abschicke, muss meine Frage natürlich sachlich fundiert sein. Also fing ich an zu recherchieren. Doch es stellte sich heraus, dass Florian unrecht hatte: Es gibt tatsächlich eine weibliche Formen vom Offizier: die Offizierin. 

Ich war angenehm überrascht, aber auch ein bisschen enttäuscht, denn Frau von der Leyen einen Brief schreiben hat meinen Ehrgeiz geweckt. Also fing ich an, die anderen Dienstgrade zu überprüfen. Ich war ziemlich sicher, dass ich einen ohne weibliche Form finden würde. Aber ich muss zugeben, dass tatsächlich alle Dienstgrade weibliche Formen haben:

Admiral - Admiralin
Kapitän - Kapitänin
Leutnant - Leutnantin
Gefreiter - Gefreite
Aufklärer - Aufklärerin
Pionier - Pionierin 
Major - Majorin
General - Generalin
Oberst - Oberstin

Nach und nach hat es mich richtig beeindruckt:

Bootsmann  - Bootsfrau
Fahnenjunker - Fahnenjunkerin
Fähnrich - Fähnrichin
Maat - und Maatin

Sogar der Feldwebel hat eine Frau: die Feldweibelin!

Jetzt bin ich wirklich enttäuscht. Über was soll mich denn jetzt beschweren?

Tuesday, 22 April 2014

Gefängnis TV

Ich musste heute mal wieder an Dieter Hoeneß denken. 

Der Arme ist immer noch frei. Es tut mir wirklich leid, dass es bei ihm so lange dauert. Ich finde, er hat es verdient in den Knast zu kommen, damit er endlich anfangen kann, zu schreiben.

Und ob er morgen im Stadion ist? Muss doch nicht sein, man kann doch im Gefängnis bestimmt Fernsehn gucken, oder?

Friday, 18 April 2014

Shades of Grey

Ich habe wieder angefangen zu lesen. Jeden Tag zweimal vierzig Minuten Bus fahren ist eine gute Gelegenheit. Ich finde, ich habe ein geeignetes Buch gefunden. Es ist einfach zu lesen und sehr spannend.

Und das Lesen fühlt sich so gut an, dass ich mich richtig freue Bus zu fahren. Ich frage mich, warum ich zwei Jahre lange nicht gelesen habe.

Ich hoffe, ich werde es schaffen, das 600-Seiten Buch fertig zu lesen, und nicht vergesse um was es geht.

Monday, 14 April 2014

Der 34-jährige, der aus dem Fenster sprang...

Letzte Woche war der Vater von dem Selbstmörder (Sami) ins Berufsförderungswerk (in dem meine Maßnahme stattfindet) gekommen, um mit den Beratern zu sprechen. Er ist aus Tunesien angereist und geht jetzt den Weg seines Sohnes, um zu versuchen nachzuvollziehen, wie es zu seinem Selbstmord kam. Diesen Mann zu sehen hat mich so mitgenommen, dass ich ihm gar nicht "mein Beileid" sagen konnte. Ich habe ihm die Hand gegeben und den Mund aufgemacht, aber mir fiel kein einziges Wort ein und ich musste mich konzentrieren nicht zu weinen. 

Der Mann sprach eine halbe Stunde mit den Beratern. Ich stand mit Markus, seiner Frau und Franka im Gang und unterhielt mich mit ihnen.

Ich erfuhr, dass Markus (mit dem ich auch die zweite Maßnahme mache) in letzter Zeit eigentlich einen ganz guten Kontakt mit Sami hatte. Er hatte ihn schon ein paar mal besucht, und war mit ihm Abends was trinken gegangen. Sie hatten sich schon ein bisschen angefreundet. Sogar seine Frau kannte ihn inzwischen ganz gut. Markus Frau hatte den Vater vom Bahnhof abgeholt.

Franka, die andere Teilnehmerin meiner ersten Maßnahme, war auch gekommen und erzählte, dass sie mit ihm telefoniert hatte und dass sie sich auch ein paar mal mit ihm getroffen hatte. Er war wohl an ihr interessiert und sie gar nicht abgeneigt, aber sie waren noch sehr weit von einer Beziehung entfernt.

Als das Gesprächs des Vaters mit den Beratern fertig war, kam er zu uns und wir haben uns noch lange unterhalten. Er hat viel von seinem Sohn erzählt, gute Zeiten, schlechte Zeiten, die sie in letzer Zeit hatten. Der Vater sagte, ihm machte sein Sohn in ihrem letzten Treffen einen sehr guten Eindruck. Als wäre er mit der Perspektive, die er von seiner Maßnahme bekommen hatte, zuversichtlich. Sie haben zusammen einen Ausflug in die Wüsten gemacht und viel über sein Leben gesprochen. Er hatte das Gefühl, dass sein Sohn zufrieden war. Aber der Vater ist in Tunesien geblieben und sein Sohn ist nach Deutschland zurück gekommen. Das ist wohl seelisch zu weit weg gewesen...

Bevor der Vater ging, gab er Markus ein Foto von ihm und seinem Sohn in der Wüste. Ich sah das Bild nur von Weiten. Ich konnte es mir gar nicht ansehen, ich musste so sehr weinen. 

Armer Vater, armer Sami! Was hattest du für ein Leben, dass du dich umgebracht hast?

Florian und ich waren letzte Woche im Kino und hatten uns "der Hundertjährigen, der aus dem Fenster sprang und verschwand" angeschaut. Es ist ein lustiger Film (die Verfilmung von dem Buch, über das ich auch einmal geschrieben hatte). Der Hundertjährige ist ein Mann, der sein Leben, egal wie hart und kompliziert es ist, einfach so locker akzeptiert. Es ist, wie es ist - und dass hundert Jahre lang! Bewundernswert! 

Sami hat es nicht geschafft. Der 34-Jährige sprang aus dem Fenster und starb. 

Ich bin so unendlich traurig.