Friday, 30 September 2011

Andrea Mutter im Bundestag

Gerade ging ich an unserer Zeitung vorbei. Da sah ich meine Mutter in der Zeitung. Auf dem Titelblatt. Ein großes Foto. Von ihr ganz alleine. Sie lächelt als stünde sie jeden Tag in der Zeitung. Die Haare von einem Friseur zurecht gemacht, das Make-up von einem Maskenbildner aufgefrischt. Überkopf las ich die Bildunterschrift "Andreas Mama im Bundestag". Was macht meine Mutter im Bundestag? Woher kennen sie meine Schwester? Und warum weiß ich nichts davon?

Das musste ich lesen. Ich drehte die Zeitung um und sah: Da stand nicht "Andreas Mama" und es war auch nicht meine Mutter. Es war Angela Merkel.

Aber die Ähnlichkeit ist verblüffend. Auch richtig herum.

Thursday, 29 September 2011

Martin Suters Erbe

Quatsch! Gott sei Dank gibt es in unserer Stadt noch keinen aphrodisischen Catering-Service. Denn der Anhang ist doch eindeutig ein Wink mit dem Zaunpfahl, der besagt: "Maria M., gründen auch Sie solch einen Catering-Service. Sie werden sich eine goldene Nase (oder Bauch?) damit verdienen!" Wozu sollte Martin Suter die Rezept sonst preisgegeben haben? Und wozu sollte ich denn sonst einen Mann mit einem Faible fürs Kochen geheiratet haben?

Als erstes werden wir Maravans Menüs kochen üben und an uns selbst ausprobieren, dann werden wir uns die Nutzungsrecht des Namens "Love Food" sichern. Und wenn uns schließlich die Wirkung nicht nur kulinarisch befriedigt gründen wir "Love Food à la Maria M".

Das verleiht sicher unserem Konto ein appetitliches  Aussehen und hält nebenbei unsere Beziehung immer schön in Schwung.

Wednesday, 28 September 2011

Martin Suter: Der Koch

Wie schön, ich habe wieder einmal ein wunderbares Buch ausgelesen, das ich unbedingt weiter empfehlen muss. Martin Suters "Der Koch".

Ein tamilischer Asylant mit außergewöhnlichen Kochkünsten tut sich mit einer Servicekraft aus Zürich zusammen. Maravan und Andrea gründen den Catering-Service "Love food", der mit aphrodisischen Menüs die Potenzprobleme der Züricher High-Society raffiniert "verkocht".

Als Zwischengänge liefert Suter zwar ein paar Details über Waffenschieberei und dubiose Bankengeschäfte, die nicht unbedingt meinem Geschmack entsprechen. Dafür schmecken mir die eindringlichen Schilderungen Maravans über den Bürgerkrieg in seiner Heimat Sri Lanka umso mehr, denn darüber wusste ich bisher noch so gut wie nichts.

Das Buch ist humorvoll, sozialkritisch und überaus appetitlich. Aber das klarste Kaufargument ist der Anhang, in dem alle Rezepte der "Love food" Menus stehen.

Zu schade, dass es bei uns keinen solchen Catering-Service gibt. Flo und ich würden ihn bestimmt rege nutzen, schließlich spart man dabei den Babysitter - und gut schlafen werden wir danach bestimmt.

Tuesday, 27 September 2011

Ein guter Tag!

Es ist wieder Dienstag. In meinem Englisch-Kurs habe ich mich heute gar nicht schlecht geschlagen. Thema war Ebay. Bei solch modernen Anliegen haben die Rentner gegen mich keine Chance.

Wie immer wusste Herr Super-Streber (siehe: Englisch-Test für Rentner) bestens Bescheid über Geschichte und Entstehung von Ebay. Mit Anekdoten, Erfahrungen und kleinen Geschichten konnte er diesmal allerdings nicht dienen. Aber ich!

Zum Beispiel, wie man plötzlich nach einem sogenannten Spaßgebot auf einer Canon 5D für 750 Euro sitzen bleibt. (Nun haben wir wenigstens immer eine anständige Ersatzkamera, wenn mal bei der einen die Batterie leer sein sollte.) Oder man ist plötzlich stolzer Besitzer zweier Leitern zu einem Hochbett. (Die Kids finden es lustig, sie können nun gleichzeitig aufs Bett klettern). Oder man freut sich diebisch, über den Kaufpreis von schlappen 1,50 Euro für eines fast neues Wickingerkostüms. Bis man feststellt, dass sich das Preis-Leistungs-Verhältnis für eine schäbige und abgetragene Faschingsverkleidung durch die stolzen Versandkosten von 3,50 Euro sehr zu Ungunsten des Käufers verschiebt. (Immerhin kann das Kostüm über mehrere Jahre genutzt werden.) (Und natürlich sind diese Geschichten nur irgendwelchen Freunden und Bekannten passiert...)

Auch beim Sportkurs war ich gut dabei. Keinerlei Probleme mit den Knien. Und ich habe die Schweißperlen auf der Stirn meiner Nachbarin genau gesehen. Die Frau auf der anderen Seite musste sogar ihre Hanteln weg legen, weil ihre Handgelenke schmerzten. Ich musste lediglich ein bisschen mit Blähungen kämpfen.

Aber realistisch gesehen ist das nicht mein Problem, sondern das meiner Nachbarinnen. Schließlich mussten sie den Gestank ertragen, während für mich die würzigen Fürze einfach nur eine Erleichterung waren.

Sunday, 25 September 2011

Familie M.s Sommerloch Theater

Bei erstaunlich guten Wetter haben Thea und Noah heute im Garten ein Kasperletheater aufgebaut. Mit modrigen Bretter des abgebauten Komposts, alten Gartenstühlen und einer Plastikplane. Flo half beim Bau tatkräftig mit und ich hatte eifrig gelobt. Als das Kasperletheater endlich fertig war, ließen sich Thea und Noah völlig geschafft auf die Zuschauerstühle fallen. Weil wir engagierte Eltern sind, die alles für ihre Kinder tun, übernahm Flo die Rolle des Kaspers und ich spielte eine arme Frau.

Arme Frau: Ach...
Kasperle: Was ist mit ihnen?
Arme Frau: Ich habe Schmerzen.
Kasperle: Was tut ihnen denn weh? Machen sie mal "Aaaa".
Arme Frau: Ich hab keine Halsschmerzen. Es ist viel schlimmer als das.
Kasperle: Oh je. Was fehlt ihnen denn?
Arme Frau: Mir tut die Seele weh.
Kasperle: Das ist nicht so schlimm. Sie sind völlig gesund.
Arme Frau: Doch. Traurigkeit kann viel schlimmer sein als alles andere.
Kasperle: Warum sind sie denn traurig?
Arme Frau: Der Sommer geht zu Ende.
Kasperle: Aber, heute war doch so ein schöner Tag.
Arme Frau: Und morgen ist auch noch das Wochenende vorbei.
Kasperle: In 5 Tagen kommt doch schon das nächste.
Arme Frau: Aber in 5 Tagen ist der Sommer wirklich vorbei.
Kasperle: Dann essen sie eben heute noch ein Eis.
Arme Frau: Ich kann jetzt kein Eis essen.
Kasperle: Sie haben keine Lust auf Eis?
Arme Frau: Nein. Essen stört mich in meiner Trauer um den Sommer.

Die Kinder quietschten vor Vergnügen und Florian holte dreimal Eis.

Thursday, 22 September 2011

Rentner Day

Dienstag war der schlimmste Tag meines Lebens. Den ganzen Sommer habe ich mit mir gehadert, ob ich mich der Herausforderung eines fortgeschrittenen Englischkurses bei der Volkshochschule stellen soll. Hätte ich es bloß nicht getan!

Denn der Begriff "fortgeschritten" bezieht sich leider nicht nur auf das Niveau des Kurses, sondern auch auf das Alter der Teilnehmer. Dieser Reife können junge Menschen grundsätzlich nichts entgegensetzen. Eine 35jährige Frau kann sich also unter Senioren nicht anders fühlen als nichtig und allein. Schon in der ersten Stunde bekam ich es schmerzhaft zu spüren. Berichtet wurde von anspruchsvollen Kulturreisen, Urlauben in ferne Länder und luxeriösen Kreuzfahrten - dies natürlich in einem excellenten Englisch. Mein Beitrag hingegen über die Hochzeit meiner Schwester, Zelten im Garten und Aktivitäten wie Schwimmbad- und Zoobesuche waren in einem Englisch, das dem fortgeschrittenen Niveau des Kurses in keinster Weise angemessen war.

Um nicht meinen gesamten Lebensmut zu verlieren, beschloss ich, mich abends einer weiterer Rentner-Begegnung zu stellen. Dem Sportkurs. Hier wollte ich die Demütigung des Englischkurses wettmachen. Denn auch im Sportverein sind die über 60jährigen Frauen in der Überzahl. Doch was körperliche Fitness und Sportlichkeit anbetrifft sind von Natur aus die Jungen überlegen. Ich war also motiviert und zuversichtlich mein Selbstbewußtsein wieder gewinnen zu können. Lässig machte ich die ersten Atem- und Aufwärmübungen und schaute mich hochmütig um. Als es dann ans richtige Muskeltraining ging war ich nicht mehr so locker. Und als ich neben mir hörte, wie sich zwei Seniorinnen beim Beinmuskeltraining gelassen unterhielten, während meine Muskeln sich verkrampften und das linke Knie anfing weh zu tun, da war mein Stolz endgültig gebrochen. Verbissen hielt ich bis zum Schluss durch und verließ überstürzt und mit hochrotem Kopf die Umkleidekabine.

Um die Blamage diesen Tages zu verkraften brauchte ich eine extra große Portion Schokolade. Und heute, am zweiten Tag danach, ist mein Muskelkater kaum noch zu ertragen. Mein Knie tut immer noch weh und ich sehe mit Schrecken dem nächsten Dienstag entgegen.

Tuesday, 20 September 2011

Rendevous einer Mutter

Gestern fiel mir die Decke auf den Kopf. Nach dem Abendessen zog mich ins Schlafzimmer zurück und machte mich richtig schick. Als ich perfekt gestylt, in Lederhose und High-Heels, wieder ins Wohnzimmer kam starrten mich alle drei erstaunt an.

Flo: Gehst du heute Abend aus?
Ich: Ja.
Flo: Du hast gar nichts gesagt. Mit wem gehst du denn?
Ich: Mit Karin, Steffi und Laura.
Flo: Und wohin geht ihr?
Ich: Zum Elternabend.

Ich hab mich schon seit Tagen darauf gefreut.

Thursday, 15 September 2011

Verliebt in eine Leberwurst

Erstaunlich wie unterschiedlich Geschwister sein können. Bei Thea und Noah zeigt es sich am deutlichsten an ihrem Essverhalten.

Noah ist ein Bohnenstange und Thea ein kleines Pummelchen. Thea schmeckt fast alles, Noah fast nichts. Thea sitzt als erste am Tisch und steht als letzte auf. Noah setzt sich als letzter hin und steht als erster auf. Noah plappert statt zu essen, Thea isst statt zu plappern.

Gestern war wieder einmal so ein Abend. Noah war kribbellig und aufgeregt, Thea war hungrig.

Noah: Stellt euch vor, Thea und Kevin sind verliebt.
Florian: Wirklich wahr?
(Thea beißt in ihr Brot.)

Noah: Sie haben sich umarmt!
Florian: Sag bloß...
(Thea mampft vor sich hin.)

Noah: Und geküsst haben sie sich auch noch.
Ich: Was echt?
(Thea nimmt sich noch ein Brot.)

Noah: Thea, willst du Kevin heiraten?
(Alle sehen sie erwartungsvoll an.)
Thea: Nein, ich will Leberwurst.

Tuesday, 13 September 2011

Wunder geschehen...

Wir haben eine Zusage aus dem Kindergarten. Thea hat tatsächlich einen Kindergarten-Platz.

Ab November wird sie den Kindergarten besuchen - und zwar bis 15 Uhr.  Ich traue mich kaum es auszusprechen. Ich schöpfe neuen Mut. Ich bin optimistisch. Morgen schreibe ich eine Bewerbung.

Und jetzt gönne ich mir eine Tafel Schokolade!

Monday, 12 September 2011

Der Schnuller, die Puppe und Thea

Seit einiger Zeit versuchen wir Theas Schnuller-Konsum aufs Schlafen und Autofahren zu reduzieren. Allerdings zeigt sie deutliche Entzugserscheinungen. Ihr Betteln und Jammern war nur durch reichlich Schokolade zu kompensieren.

Heute wollte ich konsequent sein: Kein Schnuller und keine Schokolade. Thea suchte nach Alternativen. Sie steckte sich alles in den Mund was rein passte. Die arme Puppe dran glauben.

Ich: Thea, bitte lutsch doch nicht an Ottilies Fingern herum.
Thea: Ich lutsch nicht, ich knabber nur ein bisschen.
Ich: Noch schlimmer, das tut ihr doch weh.
Thea: Na gut, dann lutsch ich an ihrem Fuß.

Ich gab auf. Dann doch lieber ein Schnuller. Und die Schokolade aß ich.

Friday, 9 September 2011

Mönchsköpfe und deutsche Hausfrauen

Gestern fuhr ich zum Supermarkt und kaufte aus Solidarität mit dem Franken einen "Tête de Moine", den teuersten Schweizer Käse, den ich finden konnte. Dieser wörtlich übersetzte "Mönchskopf", ist ein zylinderförmiger, geschmierter Halbhartkäse, den die Mönche aus dem Kloster Bellelay im heutigen Berner Jura erfunden haben.

Zuhause angekommen musste ich ihn natürlich sofort probieren. Und ich wurde nicht enttäuscht. Sein äußerst feiner Teig, schmolz unerhört köstlich auf meiner Zunge. Leider haben wir kein adäquates Gerät, um dieses äußerst wohlschmeckende Milchprodukt zu konsumieren. Er wird nämlich nicht geschnitten, sondern mit einem Schabgerät, wie beispielsweise der Girolle oder der Pirouette, zu feinen Rosetten gedreht. Durch dieses Schaben wird die mit Luft in Berührung kommende Fläche des Käses erhöht. Das verändert einerseits die Struktur des Käseteigs und ermöglicht andererseits die volle Entwicklung des aromatisch zartschmelzenden Geschmacks. Im 12. Jahrhundert diente der "Tête de Moine" gemäß der Überlieferung den Mönche sogar als Zahlungsmittel.

Morgen gehe ich eine Girolle kaufen. Ich kann ja versuchen mit einem Stück "Tête de Moine" zu bezahlen.

Wednesday, 7 September 2011

Der SNB Mindestkurs und ich

Seit Anfang September habe ich eine Schreib-Blockade. Ich stecke so tief in der Krise wie der Schweizer Käse.

Mein einziger Lichtblick ist die Schweizer National Bank.

Mit ihrem gestrigen Beschluss, der Festsetzung einer unbedingten Obergrenze des Frankens, wird sie hoffentlich nicht nur den Schweizer Käse, sondern auch mich vor dem Absturz schützen.

Monday, 5 September 2011

Menschen im Hotel

Als wir letztes Wochenende wieder einmal auf dem Weg zu einer Hochzeit waren, wurde mir im Auto plötzlich klar, warum Hotelaufenthalte mich in letzter Zeit immer fickrig machen.

Da der grundsätzliche Zweck von Hotels die angenehme Übernachtung von Reisenden an fremden Orten ist, hat das Bett eine äußerst dominante Präsenz im Hotelzimmer: Es steht grundsätzlich in der Mitte des Raumes, es ist mindestens 30cm größer als unser Ehebett und es liegt immer ein kleines, leckeres Stückchen Schokolade auf dem Kopfkissen.

Automatisch testet man als erstes die Bequemlichkeit der Matratze. Und wenn man sowieso schon liegt...

Thursday, 1 September 2011

Noahs Prinzen-Rolle bei YouTube

Als gute Eltern haben wir selbstverständlich den grandiosen Auftritt unseres Sohnes gefilmt. Zu Tränen gerührt schaue ich Noahs filmische Premiere immer und immer wieder an.

Wieso ist es mir nicht gleich einfallen? Ich veröffentliche Naohs ersten Auftritt bei YouTube! Dass seine Prinzen-Rolle den absoluten Druchbruch bringen wird, steht außer Frage. 

Dann manage ich die Karriere meines Sohnes und wir verdienen uns beide eine goldene Nase.